Pheno Hunting bei Cannabis: So findest du deinen besonderen Phänotyp

Pheno Hunting bei Cannabis: So findest du deinen besonderen Phänotyp

 

 

 

Pheno Hunting bei Cannabis: So findest du deinen besonderen Phänotyp

Du kaufst mehrere Cannabis-Samen derselben Sorte. Gleicher Breeder, gleiche Kreuzung, gleiche Packung.

Also werden daraus auch identische Pflanzen?

Nein. Und genau das macht Pheno Hunting so interessant.

Eine Pflanze entwickelt vielleicht ein besonders intensives Aroma. Eine andere produziert auffällig viel Harz. Eine wächst kompakter, während ihre Schwester deutlich stärker in die Höhe geht.

Obwohl alle Pflanzen zur gleichen Samenlinie gehören, können sie unterschiedliche Eigenschaften zeigen.

Beim Pheno Hunting geht es darum, diese Unterschiede gezielt zu beobachten und aus mehreren Pflanzen diejenigen herauszusuchen, deren Eigenschaften dir besonders gefallen.

Aber bevor wir hunten können, müssen wir verstehen, wonach wir überhaupt suchen.


Was sind Merkmale einer Cannabispflanze?

Ein Merkmal ist zunächst einfach eine Eigenschaft einer Pflanze, die wir beobachten, messen oder miteinander vergleichen können.

Nehmen wir drei Pflanzen derselben Genetik.

Eine davon wächst sehr kompakt und buschig. Eine andere wächst deutlich höher und bildet größere Abstände zwischen ihren Seitentrieben.

Das sind Unterschiede im Wuchs.

Eine Pflanze entwickelt sehr feste, kompakte Blüten. Eine andere zeigt eine luftigere Blütenstruktur.

Das sind Unterschiede in der Blütenstruktur.

Eine riecht intensiv nach Zitrone und Gas. Bei ihrer Schwester kommen dagegen eher süße und cremige Aromen zum Vorschein.

Das sind Unterschiede in der Aroma- bzw. Terpenausprägung.

Weitere interessante Merkmale können beispielsweise sein:

  • Wuchshöhe und Pflanzenstruktur
  • Abstand zwischen den Nodien
  • Verzweigung
  • Blattform und Blattfarbe
  • Blütengröße und Blütenstruktur
  • Harz- bzw. Trichombildung
  • Aroma und Terpenprofil
  • Farbe der Blüten
  • Reifezeit
  • Ertrag
  • Widerstandsfähigkeit
  • und natürlich die Qualität des Endprodukts

Und genau diese Unterschiede sind beim Pheno Hunting interessant.

Denn wenn du drei Pflanzen hast, möchtest du nicht einfach wissen:

„Welche davon ist Cannabis?“

Du möchtest herausfinden:

„Welche dieser drei Pflanzen zeigt die Eigenschaften, nach denen ich persönlich suche?“


Genotyp und Phänotyp – was ist der Unterschied?

Um Pheno Hunting wirklich zu verstehen, müssen wir zuerst wissen, was Genotyp und Phänotyp bedeuten.

Am einfachsten lässt sich das mit Eltern und ihren Kindern erklären.

Stell dir zwei Eltern vor, die drei Kinder bekommen.

Alle drei Kinder stammen von denselben Eltern. Trotzdem sind sie nicht identisch.

Ein Kind hat vielleicht die Augenfarbe der Mutter und die Haarfarbe des Vaters. Das zweite ähnelt im Gesicht stärker dem Vater. Das dritte hat vielleicht die Haarstruktur der Mutter, ist aber von der Körpergröße eher auf der Seite des Vaters.

Die Eltern sind dieselben – trotzdem hat jedes Kind eine eigene Kombination der vererbten genetischen Informationen bekommen.

Bei Pflanzen funktioniert das grundsätzlich ähnlich.

Eine Cannabispflanze besitzt ebenfalls genetische Informationen ihrer Eltern. Bei einer Kreuzung können beispielsweise Eigenschaften für Wuchs, Farbe, Aroma, Blütenstruktur, Harzproduktion oder Reifezeit von beiden Elternlinien vorhanden sein.

Der Genotyp beschreibt die genetische Ausstattung, die eine einzelne Pflanze geerbt hat.

Nehmen wir beispielsweise drei Samen derselben Kreuzung.

Alle drei haben dieselben Eltern, sind aber – ähnlich wie Geschwister – nicht automatisch genetisch identisch.

Deshalb kann Pflanze #1 bestimmte Eigenschaften eines Elternteils besonders deutlich zeigen, während Pflanze #2 stärker Eigenschaften des anderen Elternteils ausdrückt. Pflanze #3 kann wiederum eine interessante Mischung aus beiden zeigen.

Genau diese genetische Variation macht Pheno Hunting überhaupt erst spannend.

Und was ist dann der Phänotyp?

Jetzt kommt noch die Umgebung dazu.

Bleiben wir bei unserem Beispiel mit den drei Geschwistern.

Menschen entwickeln sich nicht ausschließlich aufgrund ihrer Gene. Auch Ernährung, Bewegung, Schlaf, Lebensbedingungen und viele weitere äußere Einflüsse können beeinflussen, wie bestimmte Eigenschaften tatsächlich ausgeprägt werden.

Ähnlich ist es bei einer Pflanze.

Ihr Genotyp gibt den genetischen Rahmen vor. Wie sich die Pflanze innerhalb dieses Rahmens tatsächlich entwickelt, wird zusätzlich von ihrer Umgebung beeinflusst.

Mit Umgebung meinen wir beispielsweise:

Licht, Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Nährstoffversorgung, Wurzelraum und andere Bedingungen, unter denen sich die Pflanze entwickelt.

Vereinfacht können wir uns deshalb merken:

Genotyp + Umgebung → Phänotyp

Der Phänotyp ist also das, was wir am Ende tatsächlich an der Pflanze beobachten können.

Wie wächst sie?

Wie ist sie aufgebaut?

Welche Farben entwickelt sie?

Wie sehen ihre Blüten aus?

Wie stark bildet sie Harz?

Welche Aromen treten hervor?

Wie lange benötigt sie zur Reife?

Dabei ist wichtig: Die Umgebung verändert nicht einfach die vererbte genetische Ausstattung der Pflanze. Sie kann aber beeinflussen, wie stark bestimmte genetisch vorhandene Eigenschaften zum Ausdruck kommen.

Und genau deshalb sollten Pflanzen bei einem Pheno Hunt unter möglichst vergleichbaren Bedingungen beobachtet werden.

Denn nur dann kannst du die drei Geschwister möglichst fair miteinander vergleichen und besser erkennen, welche Unterschiede tatsächlich mit ihrer jeweiligen genetischen Ausstattung zusammenhängen.

Kurz gesagt: Die Eltern liefern die Genetik, jedes Kind bekommt seine eigene Mischung – und die Umgebung beeinflusst, wie sich diese genetische Mischung schließlich zeigt.


Was ist dann eigentlich ein Pheno Hunt?

Jetzt wird der Name ziemlich logisch.

„Pheno“ = Phänotyp

„Hunt“ = Suche

Ein Pheno Hunt ist also die gezielte Suche nach besonders interessanten Phänotypen innerhalb einer Population.

Nehmen wir als einfaches Beispiel drei Samen derselben Genetik:

Pheno #1

Wächst kompakt, produziert sehr feste Blüten und zeigt eine starke Harzbildung.

Pheno #2

Wächst stärker in die Höhe und besitzt ein besonders intensives, fruchtiges Aroma.

Pheno #3

Kombiniert einen guten Wuchs, starke Harzbildung und genau das Aroma, das du gesucht hast.

Jetzt hast du tatsächlich etwas, das du vergleichen und selektieren kannst.

Vielleicht ist für dich #1 am interessantesten, weil du besonders auf Struktur und Harz achtest.

Vielleicht suchst du kompromisslos nach Geschmack und entscheidest dich für #2.

Oder #3 besitzt genau die Kombination verschiedener Eigenschaften, die du dir vorgestellt hast.

Es gibt also nicht automatisch „den besten Pheno“.

Es gibt den Pheno, der deinen Selektionskriterien am besten entspricht.


Warum sind mehrere Samen beim Pheno Hunting interessant?

Genau hier wird verständlich, warum Menschen für einen Pheno Hunt mehrere Samen derselben Genetik verwenden.

Mit einem Samen bekommst du ein Individuum.

Diese Pflanze kann fantastisch sein.

Du weißt aber nicht, was ihre Geschwister gezeigt hätten.

Mit mehreren Samen bekommst du mehrere genetisch unterschiedliche Individuen derselben Samenlinie und kannst sie miteinander vergleichen.

Bei drei Pflanzen hast du beispielsweise drei Kandidaten.

Vielleicht sind alle drei interessant – aber jede auf eine andere Art. Eine überzeugt durch ihr Aroma, eine durch ihre Struktur und die dritte vielleicht durch die Kombination mehrerer Eigenschaften.

Mehr Samen bedeuten deshalb nicht automatisch bessere Qualität.

Sie bedeuten:

Mehr Individuen → mehr Vergleich → mehr Auswahl

Das ist ein wichtiger Unterschied.

Niemand kann seriös versprechen, dass sich in einem bestimmten Seed-Pack garantiert ein außergewöhnlicher Keeper befindet.

Eine größere Auswahl gibt dir lediglich mehr Möglichkeiten zur Selektion.


Warum schmeckt mein Phänotyp nicht exakt wie beschrieben?

Das ist eine Frage, die gerade Anfänger häufig beschäftigt.

Auf einer Sortenbeschreibung steht beispielsweise:

Zitrone – Beeren – Gas – cremige Noten

Also wird jeder einzelne Seed exakt danach schmecken?

Nicht zwingend.

Eine Sortenbeschreibung beschreibt das typische oder erwartbare Profil einer Genetik – nicht zwangsläufig eine identische Ausprägung jedes einzelnen Nachkommen.

Nehmen wir wieder drei Pflanzen derselben Linie.

Bei Pheno #1 dominiert vielleicht Zitrone.

Pheno #2 bringt deutlich mehr Beere und süße Noten.

Und Pheno #3 besitzt vielleicht genau diese außergewöhnliche Kombination aus Zitrone, Beere und Gas, wegen der du die Genetik ursprünglich interessant fandest.

Das kann unter anderem daran liegen, dass die drei Pflanzen unterschiedliche Kombinationen der genetischen Informationen ihrer Eltern geerbt haben.

Zusätzlich spielt auch hier wieder die Umgebung eine Rolle. Sie kann beeinflussen, wie stark sich bestimmte genetisch vorhandene Eigenschaften tatsächlich ausprägen.

Deshalb sollte eine Sortenbeschreibung als Orientierung über das genetische Potenzial und typische Eigenschaften verstanden werden – nicht als Garantie dafür, dass jeder Seed zu einer vollkommen identischen Pflanze führt.

Und genau deshalb macht Pheno Hunting überhaupt Sinn.

Du suchst innerhalb einer Genetik nach der Ausprägung, die dich persönlich am meisten überzeugt.


Wie läuft ein Pheno Hunt grundsätzlich ab?

Das Prinzip ist eigentlich ziemlich einfach.

1. Die richtige Genetik auswählen

Bevor du überhaupt selektieren kannst, brauchst du eine Genetik, die grundsätzlich das Potenzial für die Eigenschaften besitzt, nach denen du suchst.

Du kannst schließlich nur auswählen, was genetisch vorhanden ist.

Wenn Geschmack dein Hauptziel ist, suchst du beispielsweise zunächst eine Genetik mit einem für dich interessanten Aroma- und Terpenprofil.

Wenn dich Harzproduktion besonders interessiert, achtest du auf entsprechende Linien.

Der Pheno Hunt beginnt deshalb schon bei der Auswahl der Genetik.


2. Pflanzen eindeutig kennzeichnen

Jede Pflanze bekommt eine Nummer.

Zum Beispiel:

#1 – #2 – #3

Das klingt banal, ist aber enorm wichtig.

Denn später möchtest du eindeutig wissen:

Welche Pflanze war nochmal die mit diesem unglaublichen Aroma?

Wenn du Eigenschaften dokumentierst, muss jederzeit klar sein, zu welcher Pflanze deine Notizen gehören.


3. Möglichst fair vergleichen

Die Pflanzen sollten unter möglichst vergleichbaren Bedingungen beobachtet werden.

Warum?

Weil wir gerade gelernt haben:

Genotyp + Umgebung → Phänotyp

Je stärker sich die Bedingungen unterscheiden, desto schwieriger wird es zu beurteilen, woher ein beobachteter Unterschied tatsächlich kommt.

Wenn eine Pflanze beispielsweise wesentlich andere Bedingungen bekommt als ihre Geschwister, ist ein direkter Vergleich schwieriger.

Beim Pheno Hunting möchtest du schließlich möglichst gut erkennen, welche Unterschiede zwischen den einzelnen Pflanzen stecken.


4. Eigenschaften dokumentieren

Jetzt beginnt das eigentliche Hunting.

Du kannst für jede Pflanze beispielsweise notieren:

Wuchs: kompakt / mittel / stark gestreckt

Struktur: wenig / mittel / stark verzweigt

Blüten: locker / mittel / kompakt

Harz: gering / mittel / stark

Aroma: beispielsweise Zitrus / Gas / Beere / floral / süß

Reife: früher / durchschnittlich / später

Du kannst zusätzlich festhalten, welche Eigenschaften dir persönlich besonders wichtig sind.

Denn nicht jeder sucht dasselbe.

Für den einen steht das Aroma an erster Stelle. Ein anderer interessiert sich besonders für Harz. Wieder jemand anderes möchte eine möglichst interessante Kombination aus mehreren Eigenschaften finden.

Und am Ende stellst du dir die wichtigste Frage:

Welche Pflanze überzeugt mich insgesamt am meisten?

Durch die Dokumentation wird deine Auswahl wesentlich nachvollziehbarer, als wenn du dich Wochen später nur auf deine Erinnerung verlässt.


5. Keeper auswählen

Jetzt kommt der vielleicht spannendste Teil.

Du vergleichst deine Ergebnisse und entscheidest, welche Pflanze du am interessantesten findest.

Diese besondere Selektion wird häufig als Keeper bezeichnet.

Ein Keeper ist also nicht automatisch die größte Pflanze oder die Pflanze mit dem höchsten Ertrag.

Es ist die Pflanze, die deine persönlichen Selektionskriterien am besten erfüllt.

Vielleicht gewinnt #1 beim Harz.

#2 hat das intensivste Aroma.

Aber #3 kombiniert genau die Eigenschaften, die du gesucht hast.

Dann könnte #3 dein Keeper sein.


Seeds oder Klone – warum ist das beim Pheno Hunting wichtig?

Hier entsteht häufig ein Missverständnis.

Angenommen, Pheno #3 ist außergewöhnlich.

Du kaufst anschließend einfach noch einen Samen derselben Sorte und bekommst wieder exakt #3?

Nein.

Ein neuer Samen ist wieder ein neues genetisches Individuum.

Denk wieder an unser Beispiel mit den Geschwistern:

Nur weil dieselben Eltern noch ein weiteres Kind bekommen, entsteht dadurch keine exakte Kopie eines bereits vorhandenen Kindes.

Bei Seeds ist das ähnlich.

Ein Klon funktioniert anders.

Ein Klon entsteht vegetativ aus einer bestimmten Pflanze und besitzt grundsätzlich denselben Genotyp wie die Ausgangspflanze.

Genau deshalb hört man in der Cannabiswelt so häufig von bestimmten Cuts oder selektierten Phänotypen.

Jemand hat innerhalb einer Population ein besonderes Individuum gefunden und möchte genau diesen Genotyp erhalten.

Seeds und Klone erfüllen deshalb beim Thema Genetik zwei unterschiedliche Rollen:

Seeds ermöglichen Variation und Selektion.

Klone ermöglichen die Erhaltung eines bereits ausgewählten Genotyps.

Und damit versteht man plötzlich auch, warum manche berühmten Cannabis-Genetiken nicht einfach nur einen Sortennamen tragen, sondern zusätzlich eine bestimmte Nummer oder einen Cut-Namen.


Gute Genetik bleibt die Grundlage

Ein Pheno Hunt kann etwas Besonderes finden.

Er kann es aber nicht aus dem Nichts erschaffen.

Wenn bestimmte Eigenschaften genetisch nicht vorhanden sind, kannst du noch so lange danach suchen.

Deshalb ist die Qualität und Herkunft der Ausgangsgenetik so wichtig.

Gutes Breeding schafft die Grundlage.

Pheno Hunting ist anschließend die Suche innerhalb dieses genetischen Potenzials.

Genau deshalb beschäftigen wir uns bei Tasting Genetics nicht nur mit Sortennamen, THC-Angaben oder schönen Bildern.

Uns interessiert, was hinter einer Genetik steckt.

Welche Eltern wurden verwendet?

Was wollte der Breeder mit der Kreuzung erreichen?

Welche Eigenschaften können innerhalb der Linie auftreten?

Und was macht diese Genetik überhaupt interessant genug, um sie zu hunten?

Denn am Ende besteht ein Seed-Pack nicht einfach nur aus mehreren Samen.

Für jemanden, der wirklich selektieren möchte, sind es mehrere Chancen, die unterschiedlichen Seiten einer Genetik kennenzulernen.


Fazit: Pheno Hunting bedeutet entdecken statt nur anbauen

Genau das macht Pheno Hunting so faszinierend.

Du kennst den Namen einer Genetik und weißt ungefähr, welche Eigenschaften du erwarten kannst.

Aber du weißt noch nicht, welches einzelne Individuum dich am Ende am meisten überraschen wird.

Vielleicht findest du ein außergewöhnliches Aroma.

Vielleicht eine besonders starke Harzproduktion.

Vielleicht eine interessante Pflanzenstruktur.

Oder einen Pheno, der mehrere deiner Lieblingsmerkmale miteinander kombiniert.

Und genau deshalb werden mehrere Samen derselben Genetik interessant:

Ein Seed zeigt dir eine Pflanze. Mehrere Seeds zeigen dir die Vielfalt innerhalb einer Genetik.

Die Genetik gibt den Rahmen vor.

Die Umgebung beeinflusst, wie sich dieses Potenzial zeigt.

Und beim Pheno Hunting vergleichst und selektierst du die unterschiedlichen Ausprägungen, um den Phänotyp zu finden, der deinen Vorstellungen am nächsten kommt.

Und irgendwo innerhalb dieser Vielfalt könnte genau der Pheno stehen, nach dem du gesucht hast.

Das ist Pheno Hunting.




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